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Leistungsstarke Scorecard für Nicht-Kapitalgesellschaften

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 07.09.2011


Creditreform Rating AG entwickelt Risikoklassifizierungssystem mit Potenzial zur Standardlösung

Leasing- und Factoringgesellschaften unterliegen seit 2009 als Finanzdienst-leistungsinstitute unter dem Begriff „KWG-Light“ der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Institute sind verpflichtet, die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) einzuhalten, eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation aufzubauen, die ein angemessenes und wirksames Risikomanagement ermöglicht und dabei interne Kontrollverfahren einzurichten. Dazu gehört auch die Bestimmung und Dokumentation der wesentlichen Risiken. Unter anderem fordern die MaRisk, dass „aussagefähige Risikoklassifizierungsverfahren zur Beurteilung der Adressausfallrisiken einzurichten und dabei Kriterien festzulegen sind, die im Rahmen der Beurteilung der Risiken eine nachvollziehbare Zuweisung in eine Risikoklasse gewährleisten. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, inwieweit der Kreditnehmer in der Lage ist, künftig Erträge zu erwirtschaften, um den ausgereichten Kredit zurückzuführen.“ Leasingnehmer und Mieter sind in dieser Konstellation die Kreditnehmer, während die Kredite von Leasinggesellschaften in Form von Leasing-, Miet- und Mietkaufverträgen gewährt werden.

Die MaRisk fordern zudem, dass die Klassifizierungsverfahren in angemessener Weise in die Geschäftsprozesse und in die Kompetenzordnung einzubinden sind. Bei Kreditinstituten ist die Bestimmung von Adressrisiken über ein Klassifizierungssystem, das etwa auf einem Scoring- bzw. Ratingmodell basiert, schon viele Jahre geübte Praxis. Nicht so bei der Mehrzahl der Leasinggesellschaften. Diese sind gefordert, ein Klassifizierungssystem aufzubauen, das der Institutsgröße sowie Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten angemessen ist.

Die Creditreform Rating AG hat für die MLF Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz-KG jetzt ein System mit Potenzial für eine Standardlösung für die Risikoklassifizierung von Adressrisiken bei Finanzdienstleistungsinstituten entwickelt. Das Risikoklassifizierungssystem genügt den Anforderungen des Kreditwesengesetztes und der MaRisk.

"In der Zusammenarbeit mit der Creditreform Rating AG sollte unser bereits bestehendes Risikoklassifizierungssystem grundlegend überarbeitet werden. Dieses System war eine Kombination aus dem Creditreform Bonitätsindex, einem selbst entwickelten Index für Bankauskünfte und einem Regelwerk mit Ja/Nein-Entscheidungen. Unser Ziel war es, dabei möglichst sichere Ergeb-nisse für unser kleinteiliges Geschäft zu erhalten, damit automatisierte Entscheidungen getroffen werden können. Darüber hinaus sollte es uns das Instrument ermöglichen, ein Bilanzrating durchzuführen", so Rolf Hahn, Geschäftsführer der MLF Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz-KG mit Hauptsitz im bayerischen Werneck. Der Finanzdienstleister bietet Unternehmen, Selbstständigen und Kommunen alternative Finanzinstrumente wie Leasing, Mietkauf, Mietlösungen und Factoring sowohl für kleinteilige als auch für größere Investitionen an.

Bilanzratingsystem als Ausgangsbasis

Als Ausgangsbasis für die Entwicklung des Klassifizierungssystems diente das bestehende Creditreform Bilanzratingsystem, das den Bonitätsindex als zusätzliches Auskunftsmerkmal berücksichtigen kann. Das Bilanzrating stellt durch den Einsatz modernster mathematisch-statistischer Verfahren und Software ein leistungsfähiges und trennscharfes Risikoklassifizierungssystem auf der Basis von Jahresabschlüssen dar. Eine Analyse des Kundenportfolios von Mercator Leasing für den Zeitraum zwischen 2007 und 2009 zeigte, dass knapp 45 Prozent der Risiken mit dem bestehenden System bewertet werden konnten, da zu den betreffenden Unternehmen - dabei handelte es sich fast ausschließlich um Kapitalgesellschaften, die der Publizitätspflicht unterliegen - Jahresabschlüsse in der Bilanzdatenbank vorlagen. Das Ratingsystem weist für diese Gruppe einen durchschnittlichen Gini-Koeffizienten zwischen 65 und 70 Prozent auf.

Da jedoch nicht alle Anfragen durch dieses System bewertet werden können, musste auch für die verbleibende Kundengruppe mit einem Anteil von knapp 55 Prozent am Gesamtportfolio - also für Gewerbetreibende, Einzelunternehmen und Personengesellschaften - eine Scorecard entwickelt werden, die in das Klassifizierungssystem eingebunden werden kann. Die Entwicklung dieser Scorecard sollte auf Wunsch von Mercator Leasing unabhängig vom Bonitätsindex sein und ein trennscharfes Bewertungssystem darstellen. Daraus ergab sich für die Creditreform Rating AG die konkrete Anforderung, eine Retailscorecard auf Basis von Auskunftsmerkmalen speziell für Nicht-Kapitalgesellschaften zu entwickeln.

Für die Entwicklung und Validierung der Retailscorecard stand die Creditreform Wirtschaftsdatenbank mit ca. vier Millionen wirtschaftsaktiven Unternehmen zur Verfügung. Knapp drei Millionen Unternehmen hiervon sind Nicht-Kapitalgesellschaften. Bei der Entwicklung der Scorecard und den hierauf beruhenden Ausfallwahrscheinlichkeiten war zu berücksichtigen, dass insbesondere bei der größten Gruppe der Nicht-Kapitalgesellschaften - die Gewerbetreibenden (ca. zwei Millionen Unternehmen) - die Ausfallhäufigkeit über alle Adressen und alle Risikoklassen betrachtet bei ca. 3,5 Prozent liegt. Die Auskunftsmerkmale wurden umfassend auf Korrelationen und deren Einfluss auf den Gini-Koeffizienten überprüft. Letztendlich wurden acht Auskunftsmerkmale festgelegt, die in die Retailscorecard eingehen.

Bei der Analyse des Kundenportfolios von Mercator Leasing für den Zeitraum zwischen 2007 und 2009 unter Anwendung der neuen Scorecard konnte für den Bereich der Nicht-Kapitalgesellschaften eine Aufklärungsgüte von knapp 67 Prozent ermittelt werden. Diese liegt deutlich höher als der Gini-Koeffizient bezogen auf den relevanten Anteil der Adressen der gesamten Wirtschaftsdatenbank, der mit 62 Prozent ermittelt wurde.

Abschließend wurde untersucht, inwieweit sich das Bilanzrating und die Retailscorecard in ein einheitliches Klassifizierungssystem einbinden lassen. Auf Basis der Ergebnisse wurde ein Klassifizierungssystem mit 19 Risikoklassen festgelegt. Für jede Anfrage wird unabhängig vom Anfragevolumen über ein Bilanzrating oder einen Retailscore eine Ausfallwahrscheinlichkeit berechnet und über diese eine Risikoklasse vergeben.

Implementierung über CrefoCRS und CrefoSystem

Die Implementierung der neuen Scoringfunktionen und des Risikoklassifizierungssystems erfolgte in den Systemen der Creditreform Rating AG über die webbasierte Anwendung Credit Risk Solution (CrefoCRS). Die Anwendung vereinfacht die Erfassung und Analyse von Jahresabschlussinformationen und erfüllt zugleich administrative Funktionen. Hierunter fallen etwa die digitale Bereitstellung von Wirtschaftsauskünften und Jahresabschlussinformationen der durch die Creditreform Rating AG analysierten Unternehmen sowie das Analyseergebnis in Form des Bilanzratings. Hierbei können neben testierten Jahresabschlüssen auch Planbilanzen erfasst werden, d.h. solche Bilanzen, die für noch nicht abgeschlossene Geschäftsjahre erstellt wurden. Mittels CrefoCRS gelangt der Kunde in eine Umgebung, in die er die Informationen und Analysen der Creditreform Rating AG abrufen kann. Je nach Umfang der bestellten Dienstleistungen kann CrefoCRS individuell auf die unternehmensspezfischen Anforderungen des Kunden angepasst werden.

Darüber hinaus wurde bei Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz-KG das bereits vorhandene Risikomanagementsystem CrefoSystem zum Abruf der Rating- und Scoreergebnisse über einen Webservice an die Creditreform Rating AG angebunden sowie der Workflow und die Entscheidungsregeln umfassend überarbeitet.

Nach Abschluss der Vorarbeiten ist das Bilanzrating, die neu entwickelte Scorecard und damit das Risikoklassifizierungssystem inzwischen bei der Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz-KG im Einsatz und mit dem Risikomanagementsystem verbunden. Die Entscheidung über die Vergabe eines Leasingvertrages ist eng an die ermittelte Risikoklasse gekoppelt und führt in Abhängigkeit von der Leasinghöhe zu unterschiedlichen Entscheidungsprozessen. Die Erfassung von Jahresabschlüsse wird im Tool der Creditreform Rating AG durchgeführt und in ein Bilanzrating überführt.

Deutliche Verfahrensoptimierung

"Nach den ersten Wochen der Anwendung können wir durchaus ein positives Fazit ziehen. Unsere Ziele Umsetzung der Vorgaben der MaRisk und Einführung eines schlanken, automatisierten, schnelleren und sicheren Entscheidungsprozesses für unser kleinteiliges Geschäft, konnten weitestgehend umgesetzt werden. Ebenso verwirklicht wurde auch unser Wunsch nach einer homogenen Jahresabschlussanalyse mittels des Bilanzratings der Creditreform Rating AG", so Rolf Hahn von der Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz KG.

Dank des neuen Klassifizierungssystems wird Mercator Leasing künftig Leasinganträge in einem automatisierten Prozess durchführen können. Gleichzeitig ermöglicht die hohe Aufklärungsgüte des Systems eine deutliche Reduktion der Negativauslese bei Leasinganträgen. Durch die geeignete Wahl der Cut-off-Punkte konnte die prognostizierte Ausfallquote im Portfolio der Mercator Leasing GmbH & Co. Finanz KG auf einem geringen Niveau dargestellt werden. Die Nutzung der Bilanzerfassungssoftware ermöglicht zudem eine einheitliche Strukturierung und Bewertung der Jahresabschlüsse. Dabei fließen die selbsterfassten Daten direkt mit in den Bewertungsprozess ein.



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