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Sparsame Arbeitsknechte

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 17.05.2011


Energieeffiziente Bürogeräte könnten die Betriebskosten immens drücken, doch noch mangelt es der Branche an verbindlichen Standards – und vielen Anwendern an Umweltbewusstsein.  

In Büros sind sie unverzichtbare Arbeitsknechte, doch sie haben ihren Preis – und das nicht nur bei der Anschaffung: Technische Gerätschaften wie PCs, Drucker oder Kopierer sind in Büros für rund ein Drittel des Stromverbrauchs verantwortlich. Doch dieser Anteil lässt sich immens drücken, wenn Unternehmen bei der Beschaffung von Bürogeräten auf Energieeffizienz achten. Um bis zu 80 Prozent kann der Stromverbrauch sinken, hat die „Initiative Energie-Effizienz“ der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (dena) ermittelt – und das ohne auf gewohnte Leistung verzichten zu müssen. Unterm Strich, so die dena, lassen sich mit energieeffizienten Geräten in einem Büro mit 200 Arbeitsplätzen 8.500 Euro pro Jahr sparen. Dabei sind IT-Netzwerke und Serverräume in dieser Zahl noch nicht einmal berücksichtigt. „Trotz der höheren Anschaffungskosten rechnen sich energieeffiziente Bürogeräte aufgrund der niedrigeren Lebenszykluskosten schon nach kurzer Zeit“, schlussfolgert dena-Chef Stephan Kohler.

Selbst dann, wenn Unternehmen ihre Bürogeräte oder Teile der Ausstattung nicht selbst beschaffen und betreiben, sondern dies Dienstleistern überlassen, spielt der Energieverbrauch eine Rolle. Die Dienstleister übernehmen zwar unter anderem Support und Wartung, die Stromrechnung aber zahlt immer der Kunde. Es kann sich also auch beim Outsourcing der PC- oder Druckinfrastruktur lohnen, auf sparsame Hardware zu achten. Und das gleich mehrfach: Die Geräte sparen zum einen Strom – zum anderen leben sie in aller Regel auch länger und entwickeln weniger Abwärme, was die Klimaanlage entlastet.
 

Standards? Fehlanzeige!

Dass neue Bürotechnik von allein stromsparender ist als alte, lässt sich zwar verallgemeinernd nicht sagen. Denn es kommt auch darauf an, wie das Gerät genutzt wird. So verfügen etwa auch ältere Bürogeräte über Energieeinsparfunktionen, die den Verbrauch drücken helfen. Die aber seien oft nicht aktiviert, hat die dena ermittelt. So flimmern etwa während Arbeitspausen Bildschirmschoner über den Monitor, dabei könnte der Bildschirm genauso gut in den stromsparenden Schlafmodus wechseln. Und auch Drucker und Kopierer werkeln im vollen Betriebsmodus vor sich hin, obgleich sie ganz abgeschaltet werden könnten. Neue Geräte bieten indes oftmals verbesserte Funktionen für das Energiesparen und sie sind insgesamt auf Energieeffizienz hin optimiert.

Eine grundsätzliche Hürde ist, dass sich nicht leicht erkennen lässt, ob Bürogeräte viel oder wenig Strom verbrauchen. „Eine von Haushaltsprodukten wie Waschmaschinen, Kühlschränken oder Backöfen bekannte Klassifizierung für die Energieeffizienz gibt es für Bürogeräte leider nicht“, sagt Jens Gröger, Experte für IT-Produkte beim Öko-Institut. Die Hersteller selbst geben den Stromverbrauch ihrer Produkte nur bedingt an. Ein Wert ist hier die „Wattleistung“, die beschreibt, was ein Gerät im Betriebsmodus höchstens verbraucht. Den meisten Strom jedoch benötigen vor allem Kopierer und Drucker nicht, wenn sie tatsächlich genutzt werden – sondern wenn sie auf Arbeit warten. So geht zum Beispiel selbst bei gut ausgelasteten Kopierern nur ein Viertel des Stromverbrauchs auf die Kopiervorgänge zurück, der meiste Strom wird im Standby-Modus verbraucht, hat Greenpeace ermittelt. Helfen können hier abschaltbare Steckerleisten, die die Geräte ganz vom Netz nehmen. Zwar schreibt seit 2010 eine Richtlinie der EU-Kommission vor, dass neue Elektrogeräte im Standby-Modus nur noch zwei Watt pro Stunde verbrauchen dürfen. Die Verordnung erfasst allerdings vornehmlich Produkte aus dem Bereich Unterhaltungselektronik, für typische Bürogeräte gilt sie nicht.

Hilfreicher als die Angabe der Wattleistung ist der Wert „Typischer Stromverbrauch“ (TSV): Angegeben in Kilowattstunden (kW/h) berücksichtigt er die verbrauchte Strommenge sowohl im Betriebs- als auch im Standby-Modus innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums, etwa einer Woche oder eines Tages. Kompakte Farblaserdrucker zum Beispiel erreichen beim TSV Spitzenwerte von weniger als einem kW/h. Immer jedoch kommt es auch auf die Leistung der Geräte an, etwa die Anzahl der gedruckten Seiten pro Minute. Um einige Vergleiche kommt man also auch mit der TSV-Angabe nicht herum.

Eine Orientierung bietet das Siegel „Energy Star“. Das Label berücksichtigt den TSV, die Wattleistung und weitere Kriterien. Für Hersteller ist das Siegel jedoch nicht verpflichtend. Und es gibt noch einen weiteren Wermutstropfen: Die aus den USA stammende Normensammlung, die in die Europäische Union übernommen wurde, definiert lediglich ein Mindestmaß an Energieeffizienz. „Technisch machbar ist oft mehr“, sagt Jens Gröger vom Öko-Institut. Immerhin: Manche mit dem Energy Star ausgezeichneten Geräte überschreiten die Vorgaben. Seit Längerem fordern europäische Umweltverbände wie das Öko-Institut oder der deutsche Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) eine Normensammlung, die strengere Grenzwerte als der Energy Star vorgibt und die für die Hersteller verbindlich ist. „In der Vergangenheit haben sich Selbstverpflichtungen als anspruchslos erwiesen“, so die Auskunft des BUND. „Für die Branche ist derzeit der Energy Star das Maß der Dinge“, hält Isabel Richter vom ITK-Branchenverband Bitkom entgegen. In Sicht sind EU-weit verpflichtende Effizienzkriterien für Bürogeräte nicht. Man behilft sich mit zusätzlichen Richtlinien oder Siegeln wie dem Europäischen Umweltzeichen „Euroblume“, das allerdings kaum bekannt und kaum in Gebrauch ist. Bekannter und weiter verbreitet sind nationale Siegel, etwa das schwedische TCO. Das prangt vor allem auf Monitoren und PCs, aber auch auf Handys und anderen Elektrogeräten. Das Siegel steht für Sparsamkeit im Energieverbrauch sowie für ergonomische Kriterien, bei Bildschirmen zum Beispiel Strahlungsarmut und gleichmäßige Leuchtkraft.

In Deutschland gibt es das Siegel „Blauer Engel“. Die damit ausgezeichneten Geräte und Produkte wurden ebenfalls nicht allein auf ihre Energieeffizienz hin unter die Lupe genommen, auch Kriterien wie Ergonomie und Recyclingfähigkeit gelten als vorbildlich.
 

Auf Überflüssiges verzichten

In größeren Büros können Thin-Clients beim Strom sparen helfen. Statt auf komplett ausgerüstete PCs setzt das Konzept auf abgespeckte Arbeitsplatzrechner, die lediglich mit einer Grafikkarte und einem Netzwerkanschluss auskommen. Die Software wird über einen zentralen Server bereitgestellt. Das Konzept spart übrigens nicht nur Strom: Es muss weniger Hardware gepflegt werden – und weil alle Software zentral auf einem Server liegt, lassen sich die Arbeitsumgebungen für die einzelnen Thin-Clients zentral administrieren.

Ein anderer Weg, Strom zu sparen: auf Überflüssiges verzichten. Vor allem bei Druckern, Kopierern, Faxgeräten und Scannern bietet sich das an. Gerade das Faxen lässt sich heute bequem über den PC erledigen – und einzelne Drucker, Kopierer und Scanner lassen sich durch netzwerkfähige Multifunktionsgeräte ersetzen. Das verlangt die Neuorganisation von Arbeitsabläufen, denn die einzelnen Arbeitsplätze müssen zu Druckgruppen zusammengelegt werden. Helfen kann das aber auch hier nicht nur beim Strom sparen: Fallen Geräte weg, entlastet das ebenfalls bei anderen Folgekosten wie der Wartung.
 

Autor: Dirk Schäfer

 

Bürogeräte – beispielhafte „Blaue Engel“

Folgende Geräte wurden von der Deutschen Energie-Agentur (dena) und der Initiative „Blauer Engel“ als besonders stromsparend und umweltfreundlich ausgezeichnet. Weitere finden Sie unter www.energieeffizienz-im-service.de und www.blauer-engel.de.
 

Office-PCs:

Asus EEE Box B206

Sony VAIO J Series VPC-J11M1E/B

Acer Veriton N260G


Monitore (19 bis 21 Zoll):

Iiyama Pro Lite B1906S-1

Wortmann TERRA 4319

Hyundai X93Wa


Kompakte Farblaserdrucker (Duplexdruck und netzwerkfähig):

Ricoh Aficio SP C232DN

Epson AcuLaser C2800DTN

Samsung CLP 770ND


Kompakte Multifunktionsgeräte (Farblaser):

Brother DCP 9045CDN

Lexmark X 544dn

Ricoh Aficio SP C232SF


Größere Multifunktionsgeräte (Farblaser):

OKI C 9800 MFP

Ricoh Aficio MP 4000B

Kyocera Minolta bizhub 360


Quelle: eigene Recherche



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