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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Risikomanagement konsequent umsetzen

"Jeder Prozentpunkt Zinsdifferenz kostet Sie 10.000 Euro"


, 01.04.2010

Dr. Cornel Wisskirchen, bei der Deutschen Bank zuständig für inländische Firmenkunden, über die Bedeutung von konsequent umgesetztem Risikomanagement – und über die Vorteile, sich das momentan günstige Leitzinsumfeld auch für die Zukunft zu sichern.

Herr Dr. Wisskirchen, haben Mittelständler aus der Finanzkrise mit Blick auf ihr Risikomanagement gelernt? Welche Rolle spielt Risikomanagement bei Ihren Kunden aktuell?
Die Unternehmen sind zunehmend international aufgestellt und haben die Unwägbarkeiten der Krise sehr deutlich zu spüren bekommen. Eine aktuelle Studie, die wir gemeinsam mit dem BDI vorgestellt haben, zeigt: 44 Prozent aller Familienunternehmen erzielen einen großen Teil ihres Umsatzes im Ausland. Allein schon Währungs-, Rohstoff- und Zinsschwankungen können schnell die Kalkulation zunichte machen – denn laufen etwa Währungen in die falsche Richtung, wird aus einem gut kalkulierten Auftrag womöglich ein Verlustgeschäft. Ein professioneller Umgang mit Marktrisiken und ein professionelles Risikomanagement sind deshalb unverzichtbar!  Viele Unternehmen haben die Risiken erkannt, zögern aber noch, die nötigen Schritte umzusetzen.

Nämlich? Was sind denn aus Ihrer Sicht die häufigsten Fehler?
Mehr als acht von zehn Unternehmen halten das Thema Risikomanagement für wichtig oder sehr wichtig. Doch nur jeder zweite Mittelständler setzt in der täglichen Arbeit auf ein systematisches Risikomanagement! Risikomanagement findet vor allem bei kleineren mittelständischen Unternehmen bislang eher auf informeller Ebene statt. Die Geschäftsführung kennt die Probleme und Gefahren – sie werden aber nicht systematisch adressiert, oft aus Kostengründen. Dabei wird aber oft übersehen, dass Folgekosten aus einem fehlenden Risikomanagement die Kosten bei weitem übersteigen. Gründe für den eher laxen Umgang mit Risiken liegen vermutlich auch darin begründet, dass es vielen Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr gut ging und sie sich lange Zeit sehr günstig finanzierten konnten …  

In der Vergangenheit haben viele Unternehmen bestimmt auch den Eindruck gewonnen, dass sie sich durch allzu starre Absicherungen durchaus auch Chancen vergeben haben. Macht Absicherung denn wirklich in jeder Marktphase Sinn?
Ja, denn Risikomanagement heißt, die Risiken kalkulierbar zu halten – und das empfehlen wir natürlich in jeder Marktphase! Welche Strategien umgesetzt werden und welche Instrumente die passenden sind, hängt in erster Linie von den Unternehmenszielen ab. Risikomanagement beginnt deshalb immer mit einer genauen Analyse. Welche Risiken gibt es für mein Unternehmen? Welche Risiken kann das Unternehmen tragen? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man sich Gedanken über Instrumente machen. Hierbei wäre die einfachste Variante sicherlich eine Absicherung über Terminkontrakte. Damit wird ein fester Preis – beispielsweise der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar oder der Preis für Stahl – festgeschrieben, mit dem Unternehmen kalkulieren können. Wer flexibel bleiben will, nutzt die Absicherung über Optionen. Oft ist es auch sinnvoll, unterschiedliche Strategien zu kombinieren … 

Apropos Preis: Die Zinsen notieren weiterhin auf historischen Tiefs. Sollten Unternehmen jetzt die niedrigen Zinsen sichern oder warten?
Deutsche Unternehmen sind traditionell stark über Kredite finanziert. Je höher das Fremdkapital, desto wichtiger ist es, die Zinsbelastungen zu steuern. Pro Millionen Kreditvolumen schlägt ein Prozentpunkt Zinsdifferenz am Jahresende mit 10.000 Euro zu Buche. Bei einem Kreditvolumen von 10 Millionen summiert sich die Mehrbelastung schnell zu einem sechsstelligen Betrag. Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, Unternehmen sollten sich daher möglichst umfassend über die die Vor- und Nachteile einer Absicherung informieren.

Viele unserer Leser scheuen sich, Banken zu viel Einblick in ihr Geschäft zu geben. Sie fürchten, Banken verstünden ihr Geschäft sowieso nicht …
Ja, die Sorge kennen wir, doch das trifft sicher nicht für die Deutsche Bank zu! Wir haben seit vielen Jahren Expertenteams in verschiedenen Branchen. Diese Mitarbeiter sind keine Banker sondern Fachleute, etwa für erneuerbare Energien, Automobil oder auch Telekom oder Medien, die das Geschäft der Unternehmen in der jeweiligen Branche wirklich verstehen und mit dem Unternehmen auf Augenhöhe sprechen. Da trifft der Finanzchef eines Solarunternehmens auf einen Experten für erneuerbare Energien oder die Finanzabteilung eines Telekommunikationsunternehmens auf einen Mitarbeiter der Bank, der sich viele Jahr lang mit Telekommunikation beschäftigt hat. Nicht zuletzt: Unternehmen profitieren von mehr Transparenz. Je besser die Hausbank informiert ist, desto besser kann die Bank das Unternehmen beraten, auch hinsichtlich des Risikomanagements.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Die Fragen stellte Ingo Schenk



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