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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Instrumente mezzaniner Finanzierung und externes Rating für mittelständische Unternehmen

Instrumente mezzaniner Finanzierung und externes Rating für mittelständische Unternehmen

Der Markt für Instrumente mezzaniner Finanzierung hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland dynamisch entwickelt. Zwar werden Genussscheine, Stille Beteiligungen und Nachdarlehen schon lange in der Unternehmensfinanzierung eingesetzt, doch hat insbesondere durch den Finanzmarktwandel der letzten Jahre und die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken im Zusammenhang mit Basel II die mezzanine Finanzierung deutlich an Akzeptanz gewonnen.

Die zunehmende Attraktivität mezzaniner Finanzierungsinstrumente hat eine eigene Dynamik ausgelöst: Zu den bereits vorhandenen Instrumenten sind neue, innovative Produkte hinzugekommen. Je nach Ausstattungsmerkmalen (zum Beispiel Haftung im Liquidationsfall, Verlustübernahme, Gewinnbeteiligung) kann Mezzaninkapital eigenkapitalähnlichen (equity mezzanine) oder mehr Fremdkapitalcharakter (debt mezzanine) haben.

Banken und Beteiligungsgesellschaften haben als Anbieter mezzaniner Produkte in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, die Transaktionskosten durch Standardisierung des Finanzierungsprozesses zu senken. Idealtypisch werden im Finanzierungsprozess interessierte Unternehmen zunächst quantitativ und qualitativ geratet. Investoren möchten das Risiko kennen, das sie eingehen, wenn sie Kapital unbesichert und nachrangig überlassen. Darüber hinaus dient das vorgeschaltete externe Rating der Quantifizierung des individuellen Risikos, um den Zins bzw. die Gewinnbeteiligung risikoadäquat festzulegen.

Im quantitativen Rating werden Informationen aus der Bilanz (zum Beispiel Vermögensstruktur, Eigenkapitalquote und Liquidität) sowie der Gewinn- und Verlustrechnung (etwa Finanzkraft, Cash Flow und Rentabilität) mit bilanzanalytischen Verfahren bewertet, um die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens (unter anderem Finanzlage, Ertragslage, Bilanzentwicklung) zu bestimmen. Als Grundlage dienen dabei mindestens drei aufeinander folgende, testierte Jahresabschlüsse. Mit Hilfe standardisierter quantitativer Ratingsysteme wie dem Creditreform Bilanzrating oder Moody’s KMV Risk Calc™ kann die Bonität mittelständischer Unternehmen innerhalb kurzer Zeit ermittelt werden. Die Bilanzinformationen aus mehr als 300.000 Jahresabschlüssen und der Einsatz modernster mathematisch-statistischer Verfahren der Datenanalyse ermöglicht die genaue Einstufung eines Unternehmens in trennscharfe Ratingklassen. Die meisten am Markt befindlichen Programme mezzaniner Finanzierung verlangen mindestens eine Bonitätsnote im Bereich des „Investment Grade“. Unternehmen, die diese Beurteilung im quantitativen Rating erreichen, werden in einer zweiten Stufe einem qualitativen Rating unterzogen.

Bonitätsbewertung durch qualitatives Rating

Während Bilanzdaten vergangenheitsbezogene Informationen darstellen, bestimmen qualitative Faktoren die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Diese Soft Facts haben deshalb einen anderen Charakter als die Bilanzinformationen des quantitativen Ratings und ermöglichen erst die Aussage über die Bestandssicherheit und zukünftige Ertragsperspektiven. Im qualitativen Rating ist das Management selbst Gegenstand der Analyse. In der Ratingpraxis verwendete Checklisten decken von der Unternehmensstrategie über das Controlling und Risikomanagement bis hin zum Kunden und Lieferantenmanagement alle wichtigen Teilbereiche des Unternehmens ab. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei etwa die Stellung in Markt und Wettbewerb, die Darstellung der Unternehmensabläufe und Steuerungsmechanismen sowie die Auflistung und Beschreibung der handelnden Personen und ihrer Strategien. Ferner wird das Finanz- und Rechnungswesen des Unternehmens auf die Fähigkeit hin überprüft, den mit der mezzaninen Finanzierung verbundenen Informations- und Reportingpflichten nachkommen zu können. Die zur Beurteilung erforderlichen Daten werden in der Regel von den Ratinganalysten bei einem eintägigen Besuch vor Ort, mit Besichtigung des Unternehmens und Befragungen der Geschäftsleitung erhoben. Führt auch das qualitative Rating zu einer positiven Beurteilung, steht einer Kapitalüberlassung nichts mehr im Wege.

Angesichts der Anforderungen im quantitativen und qualitativen Ratingprozess scheint es nahe liegend, dass mezzanine Programme in erster Linie für etablierte Unternehmen mit guter Performance in Frage kommen. Interessierte Unternehmen sollten sich jedoch von einem externen Rating nicht abschrecken lassen. Eine gezielte Vorbereitung auf die Bonitätsprüfung hilft, die gewünschten Ratingergebnisse zu erzielen. Durch das Durchlaufen des Ratingprozesses werden eigene Stärken und Schwächen aufgedeckt sowie Chancen und Risiken identifiziert, die zur Entstehung oder Verhinderung von Unternehmenskrisen führen können. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind für die Optimierung der Unternehmenssteuerung und des Risikocontrollings von hoher Relevanz. Der Aufwand lohnt sich für die Unternehmen in jedem Fall. Mezzaninekapital bindet keine Sicherheiten, hat im Vergleich zu anderen Arten der Beteiligungsfinanzierung weitaus geringere Informations- und Einwirkungsrechte von Seiten der Investoren und verbessert schließlich als „wirtschaftliches Eigenkapital“ die Kapitalstruktur und das Rating.

Zum Autor

Michael Bretz ist Leiter der Unternehmenskommunikation des Verbandes der Vereine Creditreform e.V.

 



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(PDF, 3797 KB)
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