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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Fehlende Liquidität

Fehlende Liquidität

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 08.07.2011

Vermögen ja, Liquidität nein! Der folgende Fall zeigt deutlich, wohin fehlende oder mangelhafte Finanzplanung führen kann.

Vor allem durch das Erbe seiner Eltern hat es Robert K. zu einem gewissen Wohlstand gebracht. Neben seinem mit seiner Frau selbst genutzten Einfamilienhaus und einem anderen an die beiden Töchter vermieteten Wohngebäude besitzt er ein gewerblich genutztes Objekt in der Toplage einer süddeutschen Kleinstadt. Mieter ist eine solvente Einzelhandelskette, deren Vertrag noch rund fünf Jahre läuft. Während der vergangenen Jahre hat der selbstständige Unternehmer K. es als sehr angenehm empfunden, dass neben seinen betrieblichen Einnahmen die stets pünktlichen Mietzahlungen aus diesem Gewerbeobjekt erfolgten. Da größere Investitionsmaßnahmen bisher in keinem der Gebäude anfielen, dachte K. seit dem Erbfall vor rund fünf Jahren kaum darüber nach, entsprechende Liquiditätsreserven aufzubauen. Wozu auch, so dachte er wohl, „zur Not steht ja meine Bank mit einem Überziehungskredit zur Verfügung.“ Diese Rechnung ging bisher auch weitgehend auf: neben dem Überziehungskredit auf dem Geschäftskonto mit einem Kreditlimit von 50.000 Euro stellt seine Hausbank weitere 30.000 Euro auf seinem Privatkonto zur Verfügung. Auffällig ist, dass beide Kreditlimits im Monatsverlauf bis zum Eingang der Mieten zum jeweils folgenden Monatsbeginn seit Jahren nicht nur vollständig in Anspruch genommen, sondern auch mit jeweils etwa fünf bis sechstausend Euro zusätzlich überzogen werden. Erst die Mieteingänge von insgesamt 8.000 Euro sorgen dann regelmäßig für eine gewisse „Entspannung“ bis zum jeweiligen nächsten Monatsultimo. Die Hausbank sah zumindest bisher offenbar keinen Grund einzugreifen. Dazu steht die Bonität von K. mit dem umfangreichen Immobilienbesitz wohl außer Frage. Hinzu kommt das im Nachhinein kaum zu erklärende Verhalten des Steuerberaters, der ebenfalls keinerlei Anstoß an diesem finanziellen Vabanquespiel seines Mandanten nahm. Außer allgemein gehaltenen Hinweisen, dass K. mittelfristig „über eine Liquiditätsreserve nachdenken“ solle, gab es also keine konkreten Vorschläge zu diesem Thema.

Druck durch die Bank

Seit einigen Wochen gibt es nun aber doch mehr oder weniger deutliche Hinweise seiner Hausbank, bei der offensichtlich ein internes „Stühlerücken“ zu veränderten Verantwortlichkeiten geführt hat. K. erhielt mittlerweile mehrere Schreiben, in denen er zunächst nur auf die „regelmäßigen Limitüberziehungen“, die K. neben den „normalen“ Kreditzinsen von zwölf Prozent immerhin zusätzliche sechs Prozent Überziehungszinsen kosten, hingewiesen wurde. Die beiden bisher letzten Schreiben hatten es dagegen in sich.
Hierin wird K. deutlich aufgefordert, „kurzfristig“ ein Gespräch mit dem für ihn zuständigen Gesprächspartner zu führen. Bei diesem Gesprächspartner handelt es sich übrigens nicht mehr um einen Kundenberater, sondern um einen Mitarbeiter des so genannten „Marktfolgebereichs“, der sich in dieser Bank ausschließlich mit Kreditfällen befasst, bei denen sich bereits gewisse Probleme ergeben haben. Zu dieser Kundengruppe gehört K. nun also ebenfalls. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Durch ein folgenschweres Versehen seines Steuerberaters muss K. in den kommenden drei Monaten Steuern für die vergangenen beiden Jahre in Höhe von rund 20.000 Euro nachzahlen. Dazu kommen fast zwangsläufig höhere Steuervorauszahlungen von zusätzlichen 3.000 Euro pro Monat. Geld, das K. derzeit einfach nicht besitzt.

Ehrliche Bestandsaufnahme

Immerhin besteht nun endlich die Bereitschaft von K. und seiner Frau, ihr bisheriges Ausgabeverhalten genauer anzusehen und sorgfältig darüber nachzudenken, wie die finanzielle Lage zukünftig geordnet werden muss. In einer ersten groben Prüfung fällt auf, dass die Privatentnahmen außerordentlich hoch sind. Während der Betrieb in den vergangenen Jahren regelmäßig eine “schwarze Null“ schrieb, wurden nahezu sämtliche Mieteinnahmen privat verbraucht. Mehr noch, durch regelmäßige Zahlungen an die Töchter wurde dieses Ausgabeverhalten weiter gefestigt. Hinzu kommt, dass es bisher keinerlei transparente Fakten gibt, die auch nur halbwegs belegen, wie die Entnahmen letztlich konkret verwendet wurden. Im Ergebnis sind die Eheleute davon überzeugt, dass der jeweils andere Partner die Hauptverantwortung für die hohen Entnahmen trägt. Die Bank gibt sich damit naturgemäß nicht zufrieden und erwartet kurzfristig nicht nur eine angemessene Liquiditätsplanung, sondern auch den erkennbaren Willen, die Entnahmen zukünftig verantwortungsbewusster vorzunehmen. Darüber hinaus rät sie zu einem Wechsel des bisherigen Steuerberaters. Zum Abbau der Kreditverbindlichkeiten bietet sie ein Darlehen mit einer Laufzeit von acht Jahren bei gleichzeitiger Reduzierung der Kreditlinien auf jeweils nur noch 15.000 Euro an. Als Kreditsicherheiten erwartet sie die Abtretung der Mieteinnahmen aus dem Gewerbeobjekt, so dass weitergehende Sicherheiten wie etwa die Eintragung einer Grundschuld vermieden werden können. Hinzu kommt eine weitere Auflage, die einen „regelmäßigen Informationsaustausch mit belastbaren betriebswirtschaftlichen Zahlen“ durch K. vorsieht. Außerdem rät ihm die Bank ausdrücklich, schrittweise eine Liquiditätsreserve aufzubauen.
K. selbst sieht mittlerweile ein, dass es so nicht weitergehen kann. Er hat sich bereits mit einem anderen Steuerberater in Verbindung gesetzt. Ob er und seine Frau damit aber auch die privaten Entnahmeprobleme in den Griff bekommen werden, muss sich dagegen erst noch zeigen.

Autor: Michael Vetter



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