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Direktmarketing - Effizientes Instrument zur Kundenansprache mit guter Kontrollmöglichkeit
Direktmarketing - Effizientes Instrument zur Kundenansprache mit guter Kontrollmöglichkeit
Kontrollierbarkeit des Direktmarketings
Ein wichtiger Vorteil des Direktmarketings liegt in der schnellen und eindeutigen Erfolgsmessung, welche durch diese
Responseorientierung ermöglicht wird. Jede Form der direkten Kommunikation mit Zielpersonen enthält eine Möglichkeit
und Aufforderung zur Reaktion, so dass sich ein Dialog zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden und Interessenten
entwickeln kann. Diese Reaktion kann als individuelles Feedback des Absenders gemessen werden.
Diese Messbarkeit des Erfolges mit der eindeutigen Zuordnungsmöglichkeit von Kosten und Erträgen erlaubt eine genaue
Rentabilitätsberechnung und die Durchführung von Tests zur Optimierung der Werbeansprache.
Kontrolle der klassischen Kommunikation
Zur Erfolgskontrolle der klassischen Kommunikation werden in der Praxis eine Vielzahl von Kennzahlen eingesetzt, wie
beispielsweise Share of Voice, Bekanntheitsgrad, Imagewert, Recall und Reichweite. Diese Größen müssen mit großem
Aufwand durch Marktforschungsstudien erhoben werden. Auch die Kennzahlen zur Kostenkontrolle, wie
Tausender-Kontakt-Preise (TKP), Kosten pro Anzeige, Produktionskosten und Kosten pro Gross Rating Point (GRP) sind
nicht alle eindeutig bestimmbar, sondern unterliegen Bewertungsspielräumen.
Diese Erfolgsgrößen der klassischen Kommunikation sind schwierig zu isolieren und haben kaum einen Bezug zum
Rechnungswesen und Controlling eines Unternehmens; dort wird mit völlig anderen Kennzahlen operiert. Gelegentlich wird
in der Praxis der Verdacht geäußert, dass die Verantwortlichen zur Bewertung einer Aktion aus dem großen Angebot genau
diejenige Kennzahl auswählen, die "gerade am besten passt".
Kontrolle der klassischen Dialog-Kommunikation
Im Direktmarketing sind diese Probleme der Erfolgsmessung nicht gegeben. Durch die Responseorientierung ist die
Wirkung greifbar. Natürlich müssen auch Mailings die Aufmerksamkeit des Empfängers erregen und ein positives Image vom
Anbieter und dem angebotenen Produkt vermitteln – diese Wirkungen, die der Reaktion vorgeschaltet sind, lassen
sich auch hier nur durch Marktforschung ermitteln.
Aber das eigentliche Ziel des Direktmarketings, die Reaktion in Form von Interessentengenerierung, Absatz oder
Neukundengewinnung, ist einfach zu erfassen. Die Reaktion erreicht den Absender und ist genau der Zielperson
zuzuordnen.
Die Kosten einer Dialogmarketing-Aktion können zu den Erfolgen ins Verhältnis gesetzt werden. Die Kosten pro Anfrage,
pro Auftrag oder pro Neukunde lassen sich aus den Daten von Rechnungswesen und Controlling berechnen und können dort
verbucht werden. Costs per Mail, Costs per Call, Costs per Response und Costs per Order sind gebräuchliche Kennzahlen,
die eindeutig bestimmt sind und nicht durch Bewertungsspielräume verfälscht werden können.
Kundenwert als zentrale Kennzahl
Das strategische Direktmarketing-Controlling betrifft langfristige Entscheidungen und den Aufbau von
Erfolgspotenzialen. Es verfolgt die Zielsetzung, die übergeordneten Marketing-Ziele langfristig zu realisieren sowie
zukünftige Erfolgspotenziale zu schaffen und zu erhalten.
Eine zentrale Kennzahl des strategischen Dialogmarketing-Controllings stellt der Kundenwert dar. Der Wert eines
Kunden für das Unternehmen hängt beispielsweise von den in der Abbildung dargestellten Faktoren ab.
Determinanten des Kundenwertes
Monetäre Bestimmungsfaktoren
- Umsatz (Ist und Potenzial)
- Deckungsbeitrag (Ist und Potenzial)
- Preissensibilität, -bewusstsein
- Kosten der Kundengewinnung und -bindung
- Serviceansprüche
- Dauer der vertraglichen Bindung
Nicht-monetäre Bestimmungsfaktoren
- Weiterempfehlungs-Potenzial
- Meinungsführer- und Referenz-Potenzial
- Reklamationsverhalten
- Psychologisches Bindungspotenzial
-
- Erreichbarkeit von Vertrauen
- Glaubwürdigkeit
- Zufriedenheit
- Commitment
Der effiziente Einsatz des Direktmarketings setzt die Bewertung der Kunden beziehungsweise Interessenten voraus.
Zunächst sind es monetäre Größen, die zur Kundenbewertung herangezogen werden. Neben dem aktuellen Umsatz und
kundenbezogenen Deckungsbeitrag sollte dabei auch das Potenzial (Cross-Selling-Potenzial) berücksichtigt werden. Der
Kundenwert hängt ab von den Kosten der Gewinnung und Bindung dieses Kunden, seinem Preisbewusstsein, seinen
Serviceansprüchen und der Dauer einer eventuellen vertraglichen Bindung (zum Beispiel Abonnement).
Neben diesen monetären Determinanten hängt der Wert eines Kunden davon ab, ob dieser ein hohes Potenzial für
Weiterempfehlungen birgt und ob er in seinem Umfeld als Meinungsführer auftritt und Referenzen für das Unternehmen
abgibt. Ein ausgeprägtes Reklamations- und Retourenverhalten verursacht dagegen hohe Kosten. Ein gesteigerter
Kundenwert kann bei einer engen psychologischen Bindung zu dem Unternehmen mit Vertrauen, Glaubwürdigkeit,
Zufriedenheit und Commitment unterstellt werden.
Messung des Kundenwertes
Die eindimensionalen monetären Modelle bewerten den Wert eines Kunden oder potenziellen Kunden (Interessent) nach
dem Umsatz oder Deckungsbeitrag.
Der Customer Lifetime Value prognostiziert den Wert während der gesamten Kunden-Lebensdauer und geht davon aus, dass
ein Kunde im Laufe seines Lebens eine Vielzahl von Käufen bei dem Unternehmen tätigt. Dabei werden sowohl die schon
realisierten Umsätze als auch die in der Zukunft liegenden potenziellen Umsätze einbezogen, so dass das
Chancenpotenzial einer langfristigen Bindung eines Kunden abgeschätzt werden kann.
Analog der Kapitalwertmethode aus der Investitionsrechnung wird der abgezinste Barwert (Kapitalwert) einer
Kundenbeziehung berechnet.
Mit der Einbeziehung der nichtmonetären Determinanten wird berücksichtigt, dass Kunden, die sehr zufrieden mit dem
Unternehmen sind, eine größere Kaufwahrscheinlichkeit haben und damit auch einen größeren Wert, der nicht unbedingt in
Geldeinheiten ausgedrückt werden kann. Diese zufriedenen Kunden bieten auch eine bessere Chance für die Gewinnung neuer
Kunden, da sie bereit sind, ihre positiven Erfahrungen als Meinungsführer weiterzugeben. Sie haben das Potenzial durch
Referenzen (zum Beispiel Freundschaftswerbung oder "Member gets Member") zur Neukundengewinnung beizutragen.
Mit Hilfe von Scoring-Modellen wird der Kundenwert auf der Basis von Kriterien berechnet, die einen Aussagewert für
den weiteren Verlauf der Kundenbeziehung haben. Für diese Kriterien werden bei jedem Kunden (oder Interessenten)
Punkte vergeben, die dann unterschiedlich gewichtet und addiert werden, so dass auf das zukünftige Kaufverhalten
geschlossen werden kann.
Die Portfolio-Analyse, mit der die strategische Wettbewerbsposition von Produkten oder Geschäftsfeldern eines
Unternehmens untersucht wird, lässt sich auch auf die Kunden übertragen. Dazu werden zwei Segmentierungskriterien
zueinander ins Verhältnis gesetzt; durch die Eingruppierung der Kunden in dieses Koordinatensystem kann die jeweilige
Position visualisiert werden.
Autor
Prof. Dr. Heinrich Holland, Professor an der Fachhochschule Mainz
und Akademieleiter der Deutschen Direktmarketing Akademie
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